Mit Kanonendonner durch den Ort

VON SUSANN SALZMANN

Roßla/MZ. Mit einem Großaufgebot an Gästen feierte die Schützenkompanie 1848 "Goldene Aue" in Roßla am Wochenende ihr Schützenfest. Ein Höhepunkt war der Umzug, bei dem insgesamt 16 Schützenvereine durch den Ort zogen.

"Unser Schützenbrauchtum soll durch die Pflege der Tradition aufrechterhalten werden", sagte Wolfgang Swiat, der Geschäftsführer der Schützenkompanie. Immerhin könne der Verein auf 160 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken. Schon am frühen Vormittag zog das Aufgebot mit insgesamt 16 Schützenvereinen - die für ihre Teilnahme und zum Jubiläum je eine Urkunde in Fahnenform erhielten - durch die Straßen von Roßla. Auf den Bürgersteigen sammelten sich neugierige Zaungäste und applaudierten, andere wiederum winkten fröhlich aus den Fenstern den Schützen zu.

"Die Schützenvereine haben im Ort einen hohen kulturellen Stellenwert." Axel Heller Bürgermeister von Roßla

Wer zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf den Beinen war, wurde spätestens durch die Pauken- und Trompetenklänge des Schalmeien-Orchesters Mönchspfiffel-Nikolausrieth munter. "Jedes Jahr liefert der Umzug schönere Bilder", schwärmte Roßlas Bürgermeister Axel Heller von dem imposanten Auftritt der Schützen. Grund dafür sei unter anderem, dass mit den steigenden Teilnehmerzahlen ein wachsendes Interesse am Vereinsleben einher gehe, so Heller. Der Bürgermeister selbst schwört dem Verein seit 13 Jahren die Treue. "Die Schützenvereine haben im Ort einen hohen kulturellen Stellenwert und bereichern das gesellschaftliche Leben ungemein", unterstreicht er die Vereinsarbeit.

"Ganz besonders stolz sind wir auf unsere Schwarzpulverschützen", verrät Vereinsmitglied Günther Einicke, "denn sie waren bereits im Modell-Kanonenschießen erfolgreich und sind Träger des Landes und Deutschen Meistertitels." Besonderen Grund zur Freude hatte Manfred Möckel, der als ältestes Vereinsmitglied ausgezeichnet wurde. Ab 1955/56 habe der 82-Jährige schon in der Kreissportmannschaft geschossen, seit 1994 gehört er der Schützenkompanie an. "Ich war schon immer Militarist", äußert der Sangerhäuser, "deshalb interessiere ich mich für alles, was mit dem Schießsport zu tun hat".

Der Geschäftsführer des Vereins, Wolfgang Swiat, ging derweil auf die Gründungsgeschichte des Schützenvereins ein. Im Jahre 1848 sei dieser von bestehenden Schützenvereinen und der Bürgerwehr gegründet worden. "Bis Anfang 1939 war der Verein aktiv zum Schutz der Bevölkerung in Roßla tätig", erklärte der 61-Jährige. 1992 stand die Neugründung auf dem Plan.

Swiat, der selbst schon Kreismeister im Kleinkalibergewehr-Schießen war, sorgt sich jedoch längerfristig um den Fortbestand der Schützenkompanie. "Wir haben arge Nachwuchsschwierigkeiten, denn derzeit hat der Verein nur drei Jugendliche unter den Mitgliedern." Dennoch ist er guter Hoffnung, denn mit Umzug, Preisschießen und fröhlichem Miteinander soll das Interesse bei den Jugendlichen geweckt werden.                                                                     (MZ vom 4.08.08)