Roßla - Juwel der Goldenen Aue





In der "Goldenen Aue", einer fruchtbaren Ebene zwischen Harz und Kyffhäusergebirge, liegt der Ort Roßla an der Helme im südwestlichen Teil des Landkreises Sangerhausen. Die Gemeinde gehört zum Regierungsbezirk Halle im Land Sachsen-Anhalt. Der Ort Roßla wurde erstmalig 996 in einer Urkunde des Kaisers Otto III. genannt. Ur- und frühgeschichtliche Funde deuten jedoch auf eine weit frühere Besiedlung hin. Der Name Roßla, besonders die Endung -a, läßt auf eine Siedlungsentstehung bald nach Beginn der Zeitrechnung schließen. Der Ortsname wird auch mit der Pferdezucht in Verbindung gebracht, da diese in unserer Gegend schon frühzeitig erwähnt wird. So ist wahrscheinlich auch das springende Pferd im Gemeindewappen auf die bodenständige Pferdezucht zurückzuführen.





Im Mittelalter war Roßla befestigt. Das Unterdorf, der älteste Teil des Ortes, war von Wallanlagen umgeben, die durch zwei Tore gesichert wurden. Die günstige Lage an einer alten Heer- und Handelsstraße, die südlich des Harzes entlangführte und an der bedeutende Städte und befestigte Plätze lagen, veranlaßte die Grafen zu Stolberg, die mittelalterliche Wasserburg zu einem ihrer Stammsitze auszubauen. Ein früherer Roßlaer Schulrat schilderte die Ortslage in folgenden Versen :

"Roßla ist ein heitres Örtchen

In der Aue grünem Anger,

Nett von innen und von außen

Und so zwischen Nord- und Sanger-,

Franken- sowie Sondershausen

Ist es zierlich hingestellt,

recht so mitten in die Welt."


Von Kriegen und Unruhen wurde auch Roßla nicht verschont. Großes Unheil brachte der Dreißigjährige Krieg über die Roßlaer. Raubend, plündernd und mordend zogen die Soldaten durch die Goldene Aue. Als endlich am 24. Oktober 1648 zu Osnabrück der Friedensschluß verkündet wurde, waren die Menschen dem Ruin nahe.
Dem großen Brand im Jahre 1656 fiel bis auf das durch Wassergräben geschützte Schloß und einige kleine Häuser fast der gesamte Ort zum Opfer. Doch mit viel Fleiß bauten die Roßlaer ihren Ort wieder auf. Handwerk und Gewerbe entwickelten sich. So wurden beispielsweise u.a. im 17. und 18. Jahrhundert Privilegien an die Schmiede-, Schlosser-, Wagner-, Büchsenmacher-, Leineweber-, Schneider-, Maurer-, Schuhmacher-, Fleischer- und die Tischlerinnung vergeben. Die erste Apotheke gab es 1713.




Im Jahre 1706 nahm mit Graf Jost-Christian I. die durch Erbteilung neu gegründete Linie der Grafen zu Stolberg-Roßla ihren Hauptwohnsitz im Schloß. Roßla wurde Residenzort und Mittelpunkt der unter kursächsischer Herrschaft stehenden Grafschaft Stolberg-Roßla.



 

Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung, entstanden im Ort interessante Stilbauten. Sehenswert sind unter anderem die 1868 - 1873 erbaute neugotische Kirche "Sankt Trinitatis", das klassizistische Schloß, zu dem großzügige Parkanlagen mit teilweise seltenen Gewächsen und Bäumen gehören



sowie die ehemalige fürstliche Rentkammer, erbaut 1683

 


Nach dem Wiener Kongreß gehörte Roßla zur Provinz Sachsen im Königreich Preußen

Im Jahre 1880 stirbt die junge Gräfin Marie zu Stolberg-Roßla nach der Geburt ihres Töchterchens. Aus ihrem Vermächtnis wurde das "Marienstift" als evangelisches Krankenhaus errichtet (heute Alters-und Pflegeheim).

Kaiser Wilhelm II. erhob 1893 den damals regierenden Grafen Botho in den Fürstenstand, wodurch auch der Ort Roßla an Bedeutung gewann.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Roßla Sitz eines Amtsgerichts und bekam ein Kataster- sowie ein Postamt mit Telegrafenstation.

 


Auf dem Gelände der durch den Grafen Karl Martin zu Stolberg-Roßla 1852 errichteten Zuckerfabrik (heute Einkaufszentrum "Rosspassagen", vorher Deutsche Vacuumapparate) spielte sich während des II. Weltkrieges ein trauriges Kapitel deutscher Geschichte ab : Hier wurde ein Außenlager des KZ-Nebenlagers Dora errichtet, in dem Fertigteile für die legendären V-Waffen für den Transport nach Peenemünde zusammengestellt wurden.

Auch die beiden Weltkriege und ihre Auswirkungen brachten Kummer und Leid über die Roßlaer Familien.

In den letzten Tagen des II. Weltkrieges kam die Kaiserin-Witwe Hermine von Preußen, die zweite Frau des deutschen Kaisers Wilhelm II., nach Roßla. Vor den heranrückenden sowjetischen Truppen findet sie Zuflucht bei ihrer Schwester, der Fürstin Ida zu Stolberg-Roßla im hiesigen Fürstenhaus und erlebt den Einmarsch der Amerikaner und der Roten Armee mit. Von hier aus wird sie nach Frankfurt/Oder gebracht, wo sie am 7.8.1947 stirbt.

In den Jahren nach dem II. Weltkrieg entwickelte sich Roßla zu einem "Industriedorf". 1970 gab es etwa 2000 Arbeitsplätze im Ort, davon ca.1000 in der Metallverarbeitung. Auch in der Landwirtschaft und im Dienstleistungsgewerbe waren viele Männer und Frauen aus Roßla und Umgebung beschäftigt.


Bedeutende Roßlaer, die ihren Heimatort sogar weltweit bekannt machten, waren:

Der Astronom Wilhelm von Biela, der 1826 den nach ihm benannten Kometen entdeckte.

Der "Karussellkönig" Hugo Haase (1857 - 1933), dem es gelang, das Karussellgewerbe zu revolutionieren. Zwei seiner Fahrgeschäfte existieren heute noch - in Tokio und Nashville/ Tennessee.

Die Hochseiltruppe Geschwister Weisheit, deren Stammvater mit seiner Familie im I.Weltkrieg in Roßla seßhaft wurde.

Und nicht zuletzt die beiden erfolgreichen Sportler Silke Renk, Olympiasiegerin im Speerwurf und Jens Lehmann, Weltmeister und Olympiasieger im Bahnradsport.

Auch verschiedenen Vereine gestalteten die Geschichte Roßlas bis in die Gegenwart hinein aktiv mit. Besonders genannt seien hier die Feuerwehr, der Gesang-, der Sport- und der Schützenverein.

Zur Roßlaer Ortsgeschichte gäbe es noch eine Menge zu berichten.

Geschichtsinteressierten sei an dieser Stelle das Buch
"Roßla - Erinnerungen" empfohlen, das anläßlich der 1000-Jahrfeier 1996 vom Heimat-und Schloßverein herausgegeben wurde.