In Roßla neue Biogasanlage und mehr Schweine geplant

                           Vorhaben: Bauherren wollen 13 Millionen Euro investieren - Gegner

                           formieren sich

                           VON MANFRED DEIDECK, 19.03.09, 19:30h, aktualisiert 19.03.09, 21:34h

                    

 

Von derzeit rund zweihundert Mastschweinen soll der Bestand auf rund 8 000 Tiere erhöht werden. (FOTO: MAIK SCHUMANN )                                                                                                 
ROSSLA/MZ. Der Bau einer Biogasanlage und die Erhöhung des Tierbestandes in der bestehenden Schweinemastanlage auf 8 000 Schweine sind in Roßla geplant. Das bestätigten übereinstimmend der Investor Uwe Welteke-Fabricius, geschäftsführender Gesellschafter der b-gas grünstrom GmbH aus Kassel, und der Betreiber der Schweinemastanlage, Frank Kolditz, gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung. Allein für den Bau der Biogasanlage sollen rund 13 Millionen Euro investiert werden. Die Anlage soll auf dem Gewerbegebiet am Taubenschlag in Angrenzung an die Schweinemastanlage entstehen.

Doch diese zwei Bauvorhaben stoßen nicht überall auf ein positives Echo in der Gemeinde. Während sich die Mehrheit des Roßlaer Gemeinderates laut Aussage des Bürgermeisters Axel Heller (parteilos) positiv zu den zwei Vorhaben positioniert hat, gibt es Bürger, die dagegen sind.

So äußerte auch Ratsmitglied Manfred Schulze (Die Linke) seine Bedenken. Er sehe beispielsweise "erhebliche abwasserrechtliche Probleme im Gewerbegebiet und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch die Silagetransporte. Eine zunehmende Geruchsbelästigung befürchtet die Familie Apitius, die am Ortsrand nahe des Gewerbegebietes wohnt. "Eine Schweinemastanlage in Windrichtung gelegen muss nicht sein", sagte Anja Apitius. Die Schweinehaltung würde ihrer Meinung nach auch eine Wertminderung für ihr Grundstück bedeuten. Dieser Meinung schließt sich ihr Nachbar Steffen Frank an. Ihn mache die "Ungewissheit zu schaffen", was dort nun genau entstehen soll. Sorgen macht sich ebenso der Roßlaer Imker Gerd Brix. Er sehe das ökologische Gleichgewicht gestört, wenn nur noch Monokulturen angebaut werden. "Das hat alles nichts mehr mit traditioneller Landwirtschaft zu tun", ist sich Brix sicher.

Die Investoren erklären ihrerseits, dass sie den Standort bewusst gewählt haben. Dort bestehe die Möglichkeit, direkt an die Ferngasleitung anschließen zu können, und die anfallende Schweinegülle könne zum Betreiben der Biogasanlage genutzt werden. Rund 80 000 Euro an Gewerbesteuern könnte laut Konzept die Gemeinde anfänglich kassieren. Als ein weiteres Argument wurde die Schaffung von vier Arbeitsplätzen ins Feld geführt. Um die geplante Aufstockung auf 8 000 Schweine realisieren zu können, sollen die bestehenden Stallanlagen, die zum Teil durch den Orkan "Kyrill" zerstört wurden, neu errichtet werden. In Anbetracht der angekündigten Proteste vor allem gegen die Schweinemastanlage sieht sich Frank Kolditz auf der sicheren Seite. Für die Anlage zur Tierhaltung bestehe Bestandsschutz. Dieser gewährleistet das Recht, eine rechtmäßig errichtete landwirtschaftliche Anlage weiter zu unterhalten und zu nutzen. Neben dem Schutz der vorhandenen Substanz erfasst der Bestandsschutz auch Nutzungsänderungen.

Demnach könnten auf dem landwirtschaftlichen Betriebsgelände in Roßla "630 Rinder, 120 Kälber, 190 Sauen und 800 Mastschweine" gehalten werden, erklärte Projektentwickler Reinhard Lindner, der beide Vorhaben betreut. Bezugnehmend auf die Umweltverträglichkeit versicherte Investor Uwe Welteke-Fabricius, dass beim Bau der Biogasanlage die neueste Technik zum Einsatz kommen und auch der gesetzlich geforderte Abstand von 250 Metern zum Wohngebiet eingehalten werde.

"Mit dem Gasverkauf wollen wir einen Erlös von rund 5,2 Millionen Euro im Jahr erzielen", so der Geschäftsführer. Weitere Erlöse soll der Stromverbrauch bringen. Welteke-Fabricius verwies zudem auf eine sichere Einnahmequelle für die Landwirte in der Region durch die Verarbeitung von nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Gras und Zuckerrüben. Als Größenordnung der Einnahmen nannte er rund zwei Millionen Euro im Jahr. Mit 24 Agrar-Betrieben soll diesbezüglich bereits verhandelt worden sein. Insgesamt sollen jährlich um die 62 000 Tonnen Substrat vergoren werden. Daraus können rund 5,8 Millionen Kubikmeter Rohgas entstehen, das gleich vor Ort zu 64 000 Millionen Kubikmeter Biomethan aufbereitet wird.

Die Ratsmitglieder haben vor, sich am Samstag vergleichbare Anlagen anzusehen, um sich ein Bild machen zu können, was vor den Toren Roßlas entstehen soll. Heller hält dies für sinnvoll, "um Gerüchte und Halbwahrheiten" entkräften zu können. Die Gegner der Vorhaben haben ihrerseits angekündigt, am kommenden Montag eine Bürgerinitiative gründen zu wollen.                                      (Quelle: MZ vom 20.03.09)